Auf ein Wort

Einheit im Glauben?!

Notizen eines ökumenischen Gesprächs

Die Einheit im Glauben von evangelischen und katholischen Christen ist auf vielen Gebieten schon verwirklicht und wird angesichts des gesellschaftlichen Wandels im Land immer wichtiger für die Zukunft. Auf diese Kernthesen einigten sich Pfarrer Volker Hofmann von der Auferstehungsgemeinde, Pfarrerin Katja Föhrenbach von der Wicherngemeinde und Pastoralreferent Markus Feldes aus Christ-König in einem ökumenischen Gespräch in der Auferstehungsgemeinde.

Die Geistlichen betonten, man müsse sich auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren, nicht auf das, was die Kirchen noch trenne. „Der Glaube an Jesus Christus ist zentral für beide Konfessionen“, sagte Pfarrer Volker Hofmann. „Wir haben schon ganz viel Gemeinsames“, betonte auch Katja Föhrenbach. „Wir haben einen Gott und einen Auftrag: Von der Liebe Gottes weiterzugeben.“ Unterschiede in den Konfessionen sieht sie eher in der Ausübung der handelnden Personen begründet, weniger in den Konfessionen selbst – so ihr Eindruck aus ihrer Arbeit in der Ökumene. Allerdings gebe es im Grundsatz noch einige Differenzen. Dazu zähle etwa das Verständnis vom Abendmahl. Eigentlich könnten sich nach ihrem evangelischen Verständnis „dort alle Gläubigen in aller Unterschiedlichkeit treffen – um alle Formen dieses Gottes aufzunehmen.“ Dies sähen jedoch viele katholische Kirchenvertreter anders. Das bestätigt Markus Feldes zumindest für die Amtsträger und begründet dies mit dem unterschiedlichen institutionellen Verständnis, ob es Gemeinschaft nur im Moment des Abendmahls gebe oder ob sie dauerhaft zum Leib Christi werde. Letzteres sähe die katholische Kirche nicht, so lange man nicht vereint sei. Bei vielen Gläubigen sieht Markus Feldes aber sehr wohl Gemeinsamkeiten: „So wie ich das Eucharistie-Verständnis wahrnehme, liegt es nicht mehr so weit auseinander.“ Er hoffe, dass es beim ökumenischen Kirchentag in Frankfurt 2021 eine Form einer Feier gebe, die dieser Annäherung näher komme.

Gemeinsames Gottesbild

„Auch beim Gottesbild sind wir ganz nah beieinander, betonte Markus Feldes. „Zudem haben wir die Bibel bis auf wenige Bücher gemeinsam, wir haben das „Vater Unser“ als Gebet, das ganz viele Christen eint, wir haben eine trinitarische Taufe, die wir gegenseitig anerkennen.“ Beide Kirchen hätten eine sakramentale Struktur, auch wenn es in der katholischen Kirche sieben – und nicht nur zwei Sakramente wie bei den Protestanten gebe. „Und wir sagen: Jesus ist das Ursakrament – durch ihn erfahren wir etwas, was eigentlich in dieser Welt nicht erfahrbar ist.’“

Angenommen aus Gnade

Volker Hofmann pflichtete dem katholischen Amtsträger bei und erweiterte die Gemeinsamkeiten sogar um Lutherische Grundsätze: „Wir sind nicht aus eigener Leistung sondern von Gott aus Gnade angenommen.“ Zudem gebe der heilige Geist immer wieder neu Kraft, Glauben zu leben. Dies sei bei Vertretern beider Konfessionen inzwischen unstrittig. „Es ist eine bedingungslose Annahme durch Gnade – die bleibt aber natürlich nicht ohne Folge für denjenigen, der glaubt.“ Wenn man das annehme, habe es Konsequenzen für eigenes Handeln. Zudem seien sich die Christen darin einig, die Schöpfung zu bewahren. Dies habe sich auch in der Ökumenische Vollversammlung gezeigt.
Markus Feldes bestätigte die Annahme des Menschen aus Gnade auch unter katholischen Gläubigen. Viele  – wenn auch nicht der Papst – würden heute Luther recht geben, etwa gegen Ablasshandel etc. vorzugehen. Jedoch würde ein Katholik zu dieser These noch etwas ergänzen: „Auf das Mitwirken der Menschen kommt es an. Ich kann nicht gerechtfertigt sein und danach ein böser Mensch sein, wie ich will.“ Dies sei unbestritten, auch für evangelische Christen, bestätigte Volker Hofmann. Katja Föhrenbach ergänzte, dass Unterschiede in diesem Punkt nur in der Sichtweise bzw. der Reihenfolge bestünden: „Wir müssen uns den Himmel nicht verdienen. Wenn ich glaube und Gott nahe bin, dann ist das, was ich tue, gut.“

Bibel als Grundlage

Markus Feldes bestätigte und ergänzte den gemeinsamen Glauben an die Bibel – sola scriptura bei Luther. „Das ist die Grundlage unseres Glaubens und hoch zu schätzen. Aber Offenbarung Gottes kann ich auch noch später entdecken in der Tradition, bei den Kirchenvätern oder in neuen theologischen Büchern heute. Aber auch da sind wir nah beieinander“. Normativ sollte die heilige Schrift bleiben.
Dazu habe es auch zwischen der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund eine gemeinsame Erklärung gegeben.

Einheit für Kontaktaufnahme wichtig

Katja Föhrenbach mahnte die Notwendigkeit einer Einheit für die Kommunikation an. Dies gilt für sie vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Menschen ohne Konfession, aber auch in Abgrenzung zu anderen Religionen wie etwa dem Islam. „Es ist wichtig, mit den Leuten im Gespräch zu bleiben und über das zu reden, was wir haben: „…Die Liebe Gottes, unser Glaube daran, dass jeder einzelne Mensch von uns gesehen ist, und dass er wichtig ist, was zur Nächstenliebe führt.“ Die Gefahr bestünde darin, sich innerkirchlich in den Unterschieden zu verzetteln und in der Frage, ob man eins werden könne – und darüber die Botschaft zu vergessen: „Hier sind  wir, und wir haben etwas zu geben in dieser Welt“. Feldes unterstrich, die Botschaft müsse einfach sein: „Wir glauben an den Gott der Liebe, die Welt wurde aus Liebe heraus von diesem Gott geschaffen, und dieser Gott will uns.“ Da stünden die Konfessionen auch eng beieinander.

Einstehen für Menschenwürde in unserer Zeit

Wichtiges Thema für die Christen sei auch der Umgang mit Armen und die Frage, wie man Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen könne. „Aber je deutlicher wir dies in der Gesellschaft  klar machen, mit umso heftigerem Gegenwind müssen wir rechnen“, sagte Volker Hofmann. Er müsse oft an die Worte des Pfarrers der Bekennenden Kirche, Martin Niemöller, denken: der von sich sagte, dass er geschwiegen habe, als die Nazis katholische Pfarrer oder Kommunisten oder Gewerkschaftler geholt haben – denn er sei ja nicht betroffen gewesen. Und dann ergänzte: „Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Diese Worte sieht Volker Hofmann als Anspruch, aktiv zu werden. Bleibt die Frage – wie? Aus Gesprächen wisse er, dass Gläubige aktuell vor allem zwei Fragen umtrieben: „Was bedeutet es als Christen in dieser Welt mahnend die Stimme zu erheben und Fürsprache für jene zu halten, die keine Stimme haben? Und: Wie sieht das Gottesbild aus? Was ist mit den Stellen in der Bibel, wo von dem strafenden, zornigen Gott die Rede ist?“

Ein Gott der Liebe könne ja nicht bedeuten, alles zuzudecken. Wichtig sei, wie es Kirche aktuell schaffe, von der Gnade zu reden und mit Tätern umzugehen, ohne Taten zu verharmlosen. Denn es gehe um die Glaubwürdigkeit von Kirche in der Gesellschaft der Zukunft, mahnte Volker Hofmann. Es tue ihm weh, zu sehen, dass die Gesellschaft heute nicht gefeit sei vor Entwicklungen wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Gewalt. „Daher ist es ganz wich-tig, dass evangelische und katholische Christen zusammenhalten. In einer immer säkularer werdenden Gesellschaft – und auch einer immer säkulareren Politik.“ Markus Feldes bestätigte, dass es auch klarzumachen gelte, dass der Glaube alles andere sei als „harmlos.“ Auch in einer säkularen Stadt wie Frankfurt sollten beide Konfessionen gemeinsam als Christen wahrgenommen werden, sind sich die Pfarrer einig. Außenstehenden sind Unterschiede der beiden Konfessionen meist sowieso nicht bewusst. Für Katja Föhrenbach gilt Einheit im Glauben für Jeden, „der mit Herz bei der Sache ist und versucht, Jesus Christus zu finden.“

Gemeinsames Handeln

Während Volker Hofmann an gemeinsame Erklärungen von katholischen und evangelischen Pfarrern zum Widerstand in der NS-Zeit erinnerte, forderte Markus Feldes ebenso, angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen, das Thema Einheit auf die Tagesordnung zu setzen. Man müsse das Gemeinsame betonen, fasste Katja Föhrenbach das Gespräch abschließend mit einem Zitat aus dem Epheserbrief, Kapitel 4, 1-6 zusammen: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist;  ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“

Michaela Blüchardt-Schmehl