Auf ein Wort

Abschied und Neubeginn

Liebe Leserinnen und Leser,
Nach 36 Jahren im Dienst als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden gehe ich zum 1. Dezember in den Ruhestand.
Die Begegnung mit Menschen, das miteinander lachen und miteinander weinen, Gottesdienst als zentrale Mitte der Gemeinde, Zeit für Seelsorge, die Begleitung junger Menschen – das sind einige der Elemente, die mir in meinem Dienst immer wichtig gewesen sind. In diesen Jahren gab es immer wieder Momente, in denen ich zu kämpfen hatte – nie werde ich jene Nacht vergessen, in der mich ein Fußballkollege und Polizist anrief und bat, den Eltern eines jungen Posaunenchorbläsers die Nachricht zu über-bringen, dass ihr Sohn tödlich verunglückt war. Das ging mir ganz wörtlich „unter die Haut“ – vorbereitet hatte uns niemand in der Ausbildung auf solche Momente. Sich der eigenen Tränen nicht zu schämen, mit Menschen zu schweigen oder Gott klagend anzurufen „warum“ – das haben mich die ersten Jahre im Vo-gelsberg gelehrt. In dieser Zeit wurde mir mein Konfirmationsspruch ganz neu wichtig: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1,7)
Zwei Lehrpfarrer unseres Ausbildungskurses – Ulf Häbel und Christof Geist – haben mich mit ihrem sozialen Engagement und ihrer Freude am Verkündigungsdienst geprägt. Meine Freude am Predigtdienst ist bis heute nicht erloschen.
Ich bin sehr dankbar für die gute kollegiale Zusammenarbeit unter den Pfarrer*innen im Frankfurter Norden sowie im Kirchenvorstand der Auferstehungsgemeinde. Ich bin kein Freund sogenannter „heiliger Gebäude“. Doch manche Stunde habe ich allein und meditierend in der Auferstehungskirche verbracht und dabei immer wieder Kraft für meinen Dienst gewonnen. Als Kirchenbau ist sie mir ans Herz gewachsen.
Highlights in diesen Jahren waren für mich u.a. die Entwicklung der gemeinsamen Konfirmandenarbeit mit Wichern und Hausen, der gemeinsamen Kinderkirche mit der Wicherngemeinde. Diese Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir bis heute Freude und ich werde den Kontakt in der ersten Zeit sicher ein wenig vermissen.
Ich freue mich, dass der Zusammenschluss der drei Gemein-den Auferstehung, Hausen und Wichern zum 1. Januar 2020 nun Wirklichkeit wird. Ich wünsche der neuen Gemeinde einen guten Start, stets die Konzentration auf das Wesentliche und dass etwas Neues wächst. Ich hoffe, dass nicht zu lange an Überholtem festgehalten wird und wirklich der Mut zum Aufbruch entsteht. Lydia – nach der die neue Gemeinde benannt ist – ist für mich ein gutes Beispiel für den Mut zum Aufbruch.
Kraft, Liebe und Besonnenheit hat Gott uns versprochen. Und die werden wir Christinnen und Christen brauchen in einer im Um-bruch befindlichen Gesellschaft.

Meine Entpflichtung und Verabschiedung findet im Gottesdienst am 10. November um 17 Uhr in der Auferstehungskirche statt.

Pfarrer Volker Hofmann (Auferstehungsgemeinde)