Auf ein Wort

Ostern – der Glaube an das Leben

Ostern fing mit dem Wort „leer“ an. Es wird erzählt, dass das Grab leer war, in das man den Leichnam von Jesus Christus gelegt hatte. Fast 2000 Jahre ist her: Gegen besseres Wissen wird dieser Jesus von Nazareth als vermeintlicher Terrorist hingerichtet. Dafür standen die berüchtigten Kreuze auf der Galgenhöhe. Wer hier qualvoll endete, der war gebrandmarkt als Verbrecher der übelsten Sorte. Dass Jesus ordentlich bestattet wurde, verdankte er einflussreichen Freunden, die wenigstens seinen Leichnam retten konnten.
Dann war das Grab leer. Das stellten einige Frauen am Ostermorgen fest, als sie den Leichnam einbalsamieren wollten. Leer, fast ganz leer, nur noch ein paar Tücher lagen herum. Und schon damals löste das Wort „leer“ nur Frustration aus. Denn die Frauen konnten sich keinen Reim darauf machen, waren entsetzt, flüchteten von diesem furchtbaren Ort. Und erzählten niemandem davon!
Es hat sich dann wohl doch herum gesprochen. Und sofort fing das Gerede an: Der Leichnam wurde gestohlen. Oder noch besser: Die Freunde von Jesus haben ihn heimlich weggebracht, um behaupten zu können, er sei auferstanden. Das beste Gerücht: Jesus sei gar nicht richtig tot gewesen, und er würde sich irgendwo in seiner alten Heimat erholen. Nach einer Kreuzigung? Da muss einer aber viel Fantasie gehabt haben!
Das ist das Problem bei dem Wort „leer“: Es sagt noch gar nichts. Das leere Grab fordert die Frage heraus: Was ist jetzt? Wie geht es jetzt weiter?
Es nützt jedenfalls nichts, in die Leere zu starren und zu warten, dass was passiert. Denn hier ist nichts mehr zu holen. Das macht Ostern so schwierig, so lange man in ein leeres Grab starrt: Es gibt einfach nichts zu sehen. Weihnachten ist viel einfacher, da kann ich mir einen Stall, eine Krippe, Hirten und weise Leute aus dem Orient vorstellen. Was kann da schon Ostern bieten? Nur ein leeres Grab!
Nein, nicht nur. Es gibt mehr zu sehen. Allerdings nur dann, wenn ich die Richtung ändere. Ich muss mich umdrehen und abwenden von der Leere. Ich muss einen neuen Blick riskieren, der nicht an der Vergangenheit klebt und alles schön redet, was früher war. Ich brauche den Mut, dem Leben zu trauen. Ich brauche den Mut zur Hoffnung, dass zwischen Himmel und Erde mehr passiert als ich mit meinem Verstand fassen kann. Dass das Leben nicht leer bleibt.
Die Freunde von Jesus waren gebannt von dem Tod Jesu. Was sie erlebt hatten, stand vor ihnen, auch das eigene Versagen und ihre Feigheit. Doch dann sahen sie – IHN. Er war plötzlich da. Lebendig, kraftvoll, wie ein Zauberwesen. Und sie sahen ihn, sie redeten mit ihm. Das leere Grab bekam seinen Sinn: Dort konnte Jesus nicht mehr sein, weil er ja lebte. So fanden sie ein neues Wort für ihre Entdeckung: Jesus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!
Das leere Grab ist eine Art Wegweiser: Ändern Sie die Blickrichtung! Lassen Sie sich von Gräbern nicht bannen! Achten Sie auf die unendlich vielen Zeichen des Lebens! Lassen Sie sich anstecken von der Osterhoffnung, dass das Leben bleibt und blüht, gegen das Vergessen, gegen die Resignation und Enttäuschung, gegen das millionenfache Leid und Sterben.
Das ist für mich Ostern: Der Glaube an das Leben. Der Glaube gegen die Leere. Der Glaube an eine offene Zukunft, die Gott alleine gehört. Ein Glaube, der vertraut, der hofft, der sich engagiert, der selbst dann noch ein Apfelbäumchen pflanzt, wenn morgen die Welt unterzugehen droht. Und der Gott tausendfach sieht – in dem bunten, vielfältigen Leben um mich her.
Halten Sie doch mal einen Moment inne und suchen die Zeichen des Lebens, der Hoffnung, der Liebe in Ihrem Leben. Ostern. Gott auf der Spur. Mitten im Alltag.

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches und gesegnetes Osterfest.

Pfarrer Volker Hofmann, Auferstehungsgemeinde