Die Fusion nimmt Gestalt an!

Die Fusion nimmt Gestalt an – Kirchenvorstände einigen sich auf neuen Gemeindenamen: Ev. Lydiagemeinde Frankfurt

Im Spätsommer 2018 haben wir alle Leserinnen und Leser zu Namensvorschläge für die neue Gemeinde gebeten. Es gingen über 38 Vorschläge ein, die von der Steuerungsgruppe durchgeschaut wurden.
Auf dem gemeinsamen Kirchenvorstandstag der drei Kirchenvorstände aus Auferstehung, Hausen und Wichern am 10. November 2018 ergab sich dabei eine Mehrheit für den Namen Ev. Lydiagemeinde Frankfurt. Im Nachgang zu diesem Treffen haben alle drei Kirchenvorstände dann diesen Namen offiziell als Namen der neuen Gemeinde mit jeweils großer Mehrheit beschlossen.

Wer war Lydia?

Lydia wird in der Apostelgeschichte ein einziges Mal erwähnt (Apg. 16, 9-15 und 40). Dort heißt es: (Verse 9-15 in der Übersetzung der Theologin Luise Schottroff, übersetzt aus dem Buch „Women in the Acts of the Apost“ von Ivoni Richter Reimer):

Nachts hatte Paulus eine Vision. Ein mazedonischer Mann stand da und bat: Komm nach Mazedonien und hilf uns. Nach dieser Vision des Paulus machten wir uns sofort auf den Weg nach Mazedonien, weil wir überzeugt waren, dass Gott uns berufen hatte, das Evangelium unter den Menschen Mazedoniens zu verkünden. Wir schifften uns in Troas ein und gelangten direkt nach Samodrake, am nächsten Tag nach Neapolis, von dort nach Philippi, einer Kolonie im ersten Bezirk von Mazedonien…Am Sabbat gingen wir vor das Stadttor hinaus an einen Fluss, an dem wir eine Synagoge vermuteten. Wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die sich dort versammelt hatten. Eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, eine Anhängerin von Israels Gott, hörte zu und Gott öffnete ihr das Herz, und sie ließ sich von Paulus Worten überzeugen. Als sich dann auch alle, die in ihrem Haus lebten, taufen ließen, lud sie uns alle mit folgenden Worten ein: „Wenn ihr zu der Überzeugung gekommen seid, dass ich Gott treu bin, kommt und mein Haus und bleibt dort.“ Und sie ließ nicht locker.

Lukas berichtet, dass sie aus Thyatira stammte, einer Stadt im westlichen Teil der römischen Provinz Asien, im Westen der heutigen Türkei, einer blühenden Markt- und Industriestadt. Lydia war eine porphyròpolis, also eine Purpurhändlerin. Ihr ausgeprägter Geschäftssinn könnte Lydias Umzug nach Philippi erklären, eine reiche römische Kolonie, die geographisch sowohl für den Handel auf dem See- als auch auf dem Landweg günstig gelegen war. Lukas präsentiert sie als eine Frau, die nicht etwa nur ihr eigenes Haus besaß, sondern sogar ein Haus, das groß genug war, eine Gemeinschaft von Christgläubigen aufzunehmen, die Schätzungen zufolge circa 35 Personen umfasste. Und die Synagoge vor den Toren Philippis ist eine Versammlung von Frauen, die Gottesdienst feiern. Man weiß inzwischen: im östlichen Mittelmeerraum gab es an vielen Orten Frauen als Leiterinnen von Synagogen, als Gemeindeälteste, als Vorsteherinnen. Viele Inschriften geben Zeugnis davon.

Was nun hier in der Apostelgeschichte berichtet wird, ist der Schritt des christlichen Glaubens nach Europa. Und dort kommt Paulus zu einer Frau, die selber eingewandert ist; einer Frau, die zuhört und der Gott das Herz öffnet; zu einer Frau, die ihr Haus öffnet und so Kirche gründet.
Der Weg zum Glauben wird hier von Lukas in dreifacher Reihung gezeigt:
Erstens: Lydia antwortet auf Gottes Ruf, indem sie zunächst den Worten des Paulus zuhört. Das Hören erwirkt den Glauben. So wie Gott ihr das Herz öffnet, so öffnet sie ihm auch ihr eigenes Herz.
Zweitens: Die Taufe macht Lydia zur Christin. Sie ist nicht mehr eine Gottesfürchtige, sondern eine Glaubende.
Drittens: Aus der Taufe an Lydia wird eine entscheidende Konsequenz gezogen, nämlich Gastfreundschaft. Ihr Glaube an Jesus Christus wird in der Praxis verwirklicht. Und wir dürfen davon ausgehen, dass Lydia als die Hausherrin auch ganz selbstverständlich den christlichen Gottesdiensten vorgestanden und die kleine Gemeinde geleitet hat, nachdem Paulus und seine Gefährten weitergezogen sind.

Wer war Lydia?
– die Frau mit den offenen Ohren, der Gott das Herz öffnete
– die Frau mit einem offenen Haus, in dem in der Gemeinschaft mit Jesus Christus alle eingeladen sind
– die Gemeindevorsteherin einer offenen und gastfreundlichen Kirche in der Nachfolge Jesu Christi

 

 

 

 

 

Am Dienstag, 12. Februar 2019 um 19 Uhr laden wir Sie zu einem Gesprächsabend zum neuen Gemeindenamen im Gemeindehaus in Hausen ein.
Wir wollen uns gemeinsam die Bibelstelle in der Apostelgeschichte anschauen, ihre Wirkungsgeschichte in der Christenheit (Lydia wird vor allem in der Orthodoxie bis heute als Heilige verehrt) und die Anknüpfungspunkte des Gemeindenamens zum neuen Leitbild der Gemeinde.

Pfarrer Volker Hofmann